Die Geschichte des Schützenverein Bad Rotenfels e.V.

Niedergeschrieben von Jürgen Rieger

Viele Aufsätze über Vereine beginnen damit, dass derselbe eigentlich noch älter ist, als die mit dem Namen verbundene Jahreszahl der Vereinsgründung aussagt. Ähnliches gibt es auch vom Schützenverein Bad Rotenfels zu berichten. Die Niederschrift über die Generalversammlung vom 15.01.1965 besagt, dass anlässlich der Recherchen des Schützenvereins Kuppenheim anlässlich dessen 100jährigen Bestehens, im Zeitungsarchiv in Rastatt ermittelt wurde, dass es schon 1864 in Rotenfels einen Schützenverein gab. Weitere Nachforschungen wurden damals nicht angestellt, ich selbst habe mir die entsprechenden Bände angeschaut, habe aber keine Hinweise gefunden. Genaueres konnte mir Herr Oberstaatsarchivrat Dr. Schwarzmaier vom Generallandesarchiv Karlsruhe mitteilen, der am 15.09.1977 schreibt, dass im Jahre 1862 in Rotenfels ein Schützenverein gegründet wurde. Das Gründungsjahr befindet sich in einer tabellarischen Übersicht über die im Mittelrheinkreis gegründeten Vereine vom November 1862.

In diesem Jahr 1862 wurde aber auch in Rotenfels der Krieger und Veteranenverein gegründet, aus diesem Verein ging der Schützenverein im Jahr 1930 – über dieses Datum wird an anderer Stelle noch zu berichten sein – hervor. Es ist nun nicht geklärt, ob es sich bei diesen beiden Vereinen um zwei eigenständige Vereine handelte, oder ob schon damals der Schützenverein eine Abteilung des Krieger- und Veteranenvereins war. Der Veteranenverein wurde laut Dr. Schwarzmaier 1862 unter dem Vorstand Nikolaus Wolf’ gegründet. Die Statuten des Vereins sowie ein Mitgliederverzeichnis und ein “Verzeichnis über die Verhaltung des Vorstandes” aus dem Jahr 1862 sind beim Generallandesarchiv vorhanden.

Herr Dr. Humpert, Verfasser des Rotenfelser Heimatbuches schreibt dort u.a.: Der Krieger- und Veteranenverein war eine    Vereinigung von ehemals aktiven Soldaten, die sich 1862 zu einem Kameradschaftsbund zusammenschlossen und diesen “Krieger- und Veteranenverein” nannten. Unser verstorbenes Ehrenmitglied Franz Müller wusste zu berichten, dass eine Abteilung dieses Vereins bei der Beerdigung von Mitgliedern Ehrensalven abschoss. Das Kommando; “Legt an – Feuer frei!” gab damals Johannes Strobel. Unser heutiges Ehrenmitglied Wilhelm Ullrich (verstorben) war zu dieser Zeit Messdiener. Die Granate mit dem aufgesetzten Zigarrenabschneider stammt übrigens noch aus dieser Zeit. Franz Müller nannte den Krieger- und Veteranenverein auch Militärverein. Wie aus einem Brief vom 20.6.1924 zu entnehmen ist, beabsichtigte der Krieger- und Veteranenverein Rotenfels innerhalb des Vereins einen Schützenclub zu bilden. Es sollte mit dem Kaliber 6 mm auf eine Entfernung von 10 – 20 m geschossen werden. Die Schießübungen sollten einmal wöchentlich auf dem noch zu errichtenden Schießstand abgehalten werden. Aus einem Aktenvermerk des Gendarmerieoberwachtmeisters Bamberger vom Badischen Bezirksamt in Rastatt vom 19.7.1924 geht hervor, dass der Schützenclub damals 112 Mitglieder zählte und der Schießstand auf dem Gelände des Schlossgutes erstellt worden war.

Insofern dürften die Aufzeichnungen von Dr. Humpert im Rotenfelser Heimatbuch nicht zutreffen, der behauptet, der erste Schießstand lag am Klingelwört. Am 22.7.1924 erhielt der Verein die Genehmigung zum Betrieb des Schießstandes beim Schlossgut. Am 26.7.1924 wurde laut Dr. Humpelt die Gründung einer Schützenabteilung besiegelt. Am 21.7.1925 wurde dann der Antrag gestellt, die Schießübungen an den Bahnholzweg bei der Gemeindesandgrube verlegen zu dürfen. Die Schießbahn sollte etwa vom heutigen Haus Abt bis zum Haus Hartmann verlaufen. Am 25.7.1925 war diese Anlage nahezu fertiggestellt.  Auf Grund eines Beschwerdeschreibens des damaligen Försters hat der Bezirksbaumeister die Anlage besichtigt. Am 5.2.1926 wurde daraufhin das Schießen auf diesem Stand untersagt. Nun wollte der Verein seinen Schießstand auf das Gelände oberhalb des Friedhofes am Klingelwört verlegen. Nachdem dies offenbar bei einer Ortsbesichtigung vom Badischen Bezirksamt wieder abgelehnt wurde, wurde am 06.07.1926 die Einrichtung eines Schießstandes in der Gemeindesandgrube, die vorher den Gebrüdern Walz gehörte, genehmigt. Aus einem Schreiben vom 26.07.1926 geht auch hervor, dass die Schießsportler damals unter der Bezeichnung “Schützenabteilung des Veteranenvereins Rotenfels” firmierten und dem “Badischen Sportverband für Kleinkaliberschießen” in Karlsruhe angeschlossen waren. Es entstand in dieser Zeit eine Schützenhütte aus Holz mit einem Betonsockel, die etwa im Bereich des heutigen Seiteneinganges des Schützenhauses stand.

Die Schießbahn verlief quer durch den heutigen Hof des nachbarlichen Gemeindehauses, das damals, wie auch das heutige Schützenhaus, noch nicht stand. Die Schützenabteilung des Vereins hat damals, wie aus einem Brief vom 13.4.1926 zu entnehmen ist, 37 Mitglieder. Bei der bereits erwähnten Zahl von 112 Mitgliedern dürfte es sich wohl um alle Mitglieder des Krieger- und Veteranenvereins gehandelt haben. In den Jahren 1938/39 wurde das heutige Schützenhaus und die Schießanlage in Eigenarbeit erstellt. Die Bauarbeiten begannen im März 1938. Die Baugenehmigung datiert vom 1.4.1938, Architekt war Wilhelm Kohlbecker; der Bürgermeister von Rotenfels hieß Huber. Die damalige Gemeinde Rotenfels hat den Verein in dieser Zeit durch die Bezahlung von verschiedenen Handwerkerrechnungen sehr unterstützt. In der Generalversammlung vom 4.1.1939 wurde im Hinblick auf die Einweihung des sich im Bau befindlichen Schützenhauses eine Aufnahmegebühr von 2,00 RM beschlossen, sicher etwas einmaliges für einen Rotenfelser Verein zu dieser Zeit.

Freiwillige Helfer und Mitglieder des Schützenvereins Rotenfels beim Bau des neuen Schützenhauses. Hils Josef, Nesselhauf Alfred, Baumstark ?, Fischer Karl, ? ?; Hirth Walter, Schweyda Josef, Müller Franz, Schmitt ?, Riedinger Lorenz, Fütterer Ludwig und Krieg Karl. von links Am 30.3.1939 schlossen die Gemeinde Rotenfels und der KK Schützenverein nachträglich einen Vertrag über die unentgeltliche Zurverfügungstellung des Schießplatzes bzw. über die Erlaubnis zum Bau des Schützenhauses. Vorstand war damals Michael Hirth. In diesem Vertrag war übrigens im Zeichen der Zeit die Klausel enthalten, dass sämtliche Gliederungen und Verbände der NSDAP auf dem Schießstand ihre Schießübungen abhalten durften. In einer Verwaltungsratssitzung am 14.7.1939 versprach Vorstand Hirth für den ersten Wanderpreis, der nach Rotenfels kommt, ein Fass Bier. Am 13.8.1939 begann dann das Preisschießen für Mitglieder auf dem neuen Schießstand.

Am 27.8.1939 sollte das Schützenfest mit Einweihung des neuen Hauses und des neuen Standes stattfinden. Die erbaute Anlage war damals übrigens die modernste im vorderen Murgtal.

Diese Fest konnte wegen des Kriegsausbruches am 26.8.1939, also am Tag vorher, nicht stattfinden, zumal auch schon eine Woche vorher alle Aktiven zum Militär eingezogen worden waren. Am 30.6.1940 verstarb der langjährige Vorstand Hirth an einer Wurstvergiftung. Während des Krieges wurde der Schießstand vom Militär und danach von den Besatzungsmächten beansprucht. Im Jahre 1949 wurde dann der Kleinkaliber-Schützenverein Rotenfels durch das Kontrollratsgesetz Nr. 52 verboten. Nach Aufhebung des Verbotes wurde in der Gründungsversammlung am 07.2.1953 im Gasthaus “Salmen” der “Schützenverein Rotenfels” wiedergegründet. Er hieß also jetzt nicht mehr “Kleinkaliber Schützenverein”.

Dem damaligen Wahlausschuss gehörten an: Dossinger, Dr. Franz Wipfel, Wilhelm Ullrich. In die Verwaltung wurden gewählt: 1. Vorstand Stößer Hermann, 2. Vorstand Ullrich Wilhelm, Schriftführer Nesselhauf Alfred, Kassier Müller Franz, Zeugwart Krieg Fritz, 1. Beirat Gräßle Karl, 2. Beirat Hirth Walter und Vereinsdiener Weiler Ludwig.

Der Verein gehört dem Schützenkreis “Hohenbaden/Murgtal” an. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte am 27.2.1963 unter der Nr. 314. Im Jahre 1963 wurde auch erstmals ein “Lieselschießen” durchgeführt. Am 10.07.1964 wurde mit der Gemeinde Rotenfels ein über 99 Jahre dauernder Erbpachtvertrag über das Schießgelände abgeschlossen. Am 12.10.1965 konnte der Verein 3 Luftgewehre, mit denen heute noch geschossen wird (überholt), erwerben (Preis 840,- DM). Die Gemeinnützigkeit des Vereins wurde vom Finanzamt Rastatt am 08.11.1965 und am 4. 1. 1967 bestätigt. In den Jahren 1967/68 wurde der Anbau, in dem sich die WC-Anlagen und das Büro befinden, erstellt. Er wurde durch einen Gestattungsvertrag mit der Gemeinde Rotenfels über den Überbau auf das Nachbargrundstück erst möglich.

In den Jahren 1970-72 und auch teilweise 1973 muss der KK Schießbetrieb eingestellt werden, da die Blenden bei einem Sturm eingestürzte waren. Eine Genehmigung zum Wiederaufbau derselben wurde durch Widersprüche der Nachbarn Hartmann und Angerhofer hinausgezögert. Dies hat dem Verein einen nicht geringen Schaden zugefügt, man kann wohl sagen, den größten Schaden in seiner Geschichte. Auf Grund dieser Widersprüche wurde auch der Schießbetrieb seit Oktober 1972 von der Stadt Gaggenau, in die die ehemalige Gemeinde Rotenfels ab 1.1.1970 eingemeindet worden war, eingeschränkt. Am 11.4.1972 wurde dem Stadtteil Rotenfels der Titel “Bad” verliehen, so dass der Schützenverein nun”Schützenverein 1930 e.V. Bad Rotenfels” heißt.

Im Jahre 1973 konnte der Stand dann wiedereröffnet werden, nachdem unter großem finanziellen- und Arbeitsaufwand die Anlage wieder schießbereit gemacht worden war. Der Schießstand wurde nun mit acht Gehmann-Schießständen (automatisch), sowie den erforderlichen Fernrohren bestückt und dürfte nun wieder als vorbildlich, auch wegen seiner guten Lichtverhältnisse, angesehen werden können. Nach seiner Wiedergründung hat der Verein viele Firmenturniere und Vereins-Pokal-Schießen, die jeweils sehr großen Anklang fanden, durchgeführt. Einer der Höhepunkte war die Organisation des Landesschützentages 1974 in Gaggenau, zusammen mit dem Schützenverein Ottenau. Die Verdienste des Vereins kann man rückwirkend sicher nicht ermessen, wohl aber das Alter berechnen. Wenn man davon ausgeht, dass der Schützenverein letztlich von dem im Jahre 1862 gegründeten Krieger- und Veteranenverein oder Schützenverein abstammt, was sicher nicht abwegig ist, dann ist er heute 115 Jahre alt. Geht man von dem Gründungsjahr 1930 aus, ist der Schützenverein Bad Rotenfels heute 47 Jahre alt.

Fahnenweihe am 11. Mai 2002

Hinterste Reihe: Eric Gruber, Roland Fischer, Michael Fischer, Heinz Frimel, Matthias Kaminski, Christian Fischer

Nächste Reihe: Lothar Bauknecht, Walter Merz, Hans Görke, Josef Gruber, Wendelin Lust, Alfred Pfau

Mittlere Reihe: Karin Bauknecht, Veronika Pfau, Monika Gruber, Sandra Höink, Rosi Fischer, Helga Stahlberger, Renate Kling, Elke Merz, Susanne Kuppinger

Vorderste Reihe:Torsten Höink, Gabriele Binz, Alexander Müller, Paul Stahlberger, Guido Müller, Werner Merz, Thomas Kuppinger

Kinder: Selina Merz, Achim Merz, Sarah Bauknecht, Manuel Kuppinger, Tobias Merz

Gedenksteinweihung am 18.10.2003

Im Oktober 2003 weihten die Mitglieder des Schützenvereins Bad Rotenfels e.V. den Gedenkstein ein. Damit möchte der Schützenverein Bad Rotenfels das Gedenken an die verstorbenen Schützenschwestern und Schützenbrüder bewahren.